VON BÄUMEN UND MENSCHEN: DIE WECHSELWIRKUNGEN DER UMWELT MIT ROHR UND KANAL
BLOG MÄRZ 2020

VON BÄUMEN UND MENSCHEN: DIE WECHSELWIRKUNGEN DER UMWELT MIT ROHR UND KANAL

Baumwurzeln und Rohrleitungen teilen sich den immer knapper werdenden unterirdischen Raum in unseren Städten. Klar, dass hier Konflikte vorprogrammiert sind. Wurzeln können in Rohrleitungen einwachsen, diese verstopfen oder so stark beschädigen, dass die Funktion nicht mehr gewährleistet ist. Müssen jetzt alle Bäume gefällt werden?.

Naturschützer und Baumfreunde können ihre Schnappatmung jetzt wieder einstellen. Natürlich muss kein Baum gefällt werden, nur weil unter seinem Wurzelwerk eine Rohrleitung verlegt ist. Vielmehr sind intelligente Schutzmaßnahmen gefragt – denn eines steht fest: Wurzeln kommen fast überall hin, wenn es sich lohnt!

Was ist denn eigentlich Wurzeleinwuchs und was macht ihn so gefährlich?

So gut wie alle Pflanzen – und damit auch Bäume – beziehen Ihre Lebensenergie über das Wurzelwerk. Wasser und darin gelöste Nährstoffe werden über den sogenannten Kapillareffekt aus dem Erdreich in Richtung Stamm und weiter zum Blattwerk geleitet. Rohrleitungen sind hier für Bäume besonders attraktiv – schließlich sind die Rohre prall gefüllt mit Wasser! Es genügt bereits ein winzig kleiner Defekt in der Außenhülle eines Rohres und mit an hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit wird eine kleine Wurzel ihren Weg ins Innere des Rohres finden. Der Baum ist glücklich über die Wasserquelle und baut seine Wurzelaktivität in dem Bereich aus. Aus einer kleinen Wurzel wird eine dickere Wurzel, aus der dickeren Wurzel werden noch mehr Wurzeln – und nach recht kurzer Zeit ist das gesamte Rohr „durchwurzelt“. Abhängig vom Baum kann die bei der Wurzelbildung entwickelte Kraft so groß sein, dass das Rohr „gesprengt“ wird. Messungen zufolge kann der Wurzeldruck locker bis zu 12 bar erreichen! Eine Reparatur ist dann kaum mehr möglich. Hier hilft nur ein Austausch.

Das Gesetz sagt: Bäume sind keine Bohrer!

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden: Ein Wurzeleinwuchs ist nur bei entsprechender Vorschädigung einer Leitung möglich. In der Begründung zu diesem Urteil heißt es: „…Wurzeln haben keine Bohreigenschaft…“. So weit, so falsch. Denn im Einzelfall können Wurzeln auch in völlig intakte Rohrverbindungen einwachsen. Nämlich genau dann, wenn die Rohrverbindungen zwar dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und dicht sind, aber nicht genügend Widerstand gegen Wurzeldruck bereitstellen.

Was nun, was tun?

Wenn wir nicht jeden Baum, der auch nur in der Nähe einer verlegten Rohrleitung liegt, fällen wollen, müssen kluge, präventive Maßnahmen bereits beim Bau der Leitungen bedacht werden. Ein Ansatz ist es hier, den Leitungsgraben möglichst unattraktiv für Wurzelwachstum zu gestalten. Hierzu werden Bettungen aus porenarmen Verfüllstoffen eingesetzt. Gibt man den Bäumen dann entlang der Leitungsgräben noch attraktive Alternativen aus lockerem gut belüftetem Boden mit vielen Nährstoffen, ist das Rohr eigentlich schon gerettet.